Paar-sein

Gibt es eine Alternative zur Paarbeziehung? Wenn man Ikea-Katalogen, Frauenmagazinen und Vorabendserien glaubt, dann nicht. Dann gibt es im Grunde nur eine Lebensform: Eine Beziehung mit dem Traummenschen, im Idealfall garniert mit 1-2 wohlgeratenen Kindern.

Es ist nicht so, dass der Single nicht wahrgenommen wird. Im Gegenteil – der Single hat Marktmacht und mediale Aufmerksamkeit. Aber ist er ein Wert an sich? Oder dient er nicht vielmehr als Schablone, als Hintergrund, vor dem man die ideale Liebesgeschichte schreiben kann?

Gibt es eine gesellschaftliche Funktion für einen Single? Vor 100 Jahren gab es Single-Frauen – “alte Jungfern” – deren Single-Status sozial anerkannt war und eine feste Größe darstellte. Als Gouvernante, Lehrerin oder “jüngere Schwester, die dem Bruder den Haushalt führt” war ihre Funktion definiert und ihre Beziehungslosigkeit zumindest zum Teil Voraussetzung.

Alleinsein als Voraussetzung gibt es heute nur noch bei katholischen Priestern und Nonnen. Das “ewige Fräulein” als feste Größe ist längst ausgestorben. Der Single allerdings nicht. Aber ewig?

Das Single-Dasein scheint heute nicht mehr als eigenständige Lebensform zu existieren, sondern nur noch als Negativwert: Als Zeit zwischen zwei Beziehungen. Immer scheint die Beziehung das Ziel am Ende eines Single-Weges – jemand hat “noch” nicht den/die Richtige/n gefunden. Selten werden jedoch im Umkehrschluss Beziehungen als Zwischenschritte auf dem Weg zum nächsten Allein-Sein betrachtet.

Dass es nicht unbedingt den Einen Menschen im Leben gibt, sondern eventuell mehrere, ist inzwischen – gesellschaftlicher Konsens. Die Idee, dass es Menschen gibt, die alleine glücklicher sind als in Beziehungen, ist dagegen doch eher unpopulär.
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