Vertrag oder vertragen – wie sollte Zwischenmenschliches verhandelt werden?

Jegliche Beziehung, sei es romantischer, freundschaftlicher, juristischer oder sonstiger Natur, bedarf eines Vertrages.

Damit beide Parteien zu einem beidseitig befriedigenden Ergebnis kommen, müssen die jeweiligen Bedürfnisse erfüllt werden.

Gehe ich zum Bäcker ist das Vertragen, das Verhalten unausgesprochen dieses, dass ich bestelle, sie/er mich bedient und ich Backwerk sowie die Bäckerin/der Bäcker Geld bekommt. Im besten Falle werden noch ein paar freundliche, oberflächliche Worte und Herzlichkeiten ausgetauscht.

Bei der Arbeit geht man mit der Einstellung einen direkten Vertrag ein: Ich arbeite, bekomme dafür Geld, und der Arbeitgeber bekommt im besten Falle einen fleißig Tätigen. Menschlichkeit wird dabei nicht vertraglich festgehalten. Jedoch zeigen die neuesten Entwicklungen in Unternehmen, die Einstellung von sogenannten Happyness Managern, dass dies durchaus gewünscht und auch gefordert ist. 

Bei Freundschaften hingegen kommt es darauf an, ähnliche Wertvorstellungen, ähnliche Hobbies zu haben und dabei/damit Zeit miteinander zu verbringen.

Bei romantischen oder festen Beziehungen/Partnerschaften gibt es zwei unterschiedliche Einstiegsmöglichkeiten. Es gibt Personen, die mit einem gewissen Regelwerk/Vertrag die Sache beginnen und es gibt solche, die vorerst leben, sich vertragen und diese Partnerschaft ausleben und ausformen.

Eine Beziehung kann im Sinne von Beziehen, wie man ein fertiges Haus bezieht und unter zuvor bereits geformten Einheiten sich seine Vorstellung dessen ausformt, eingegangen werden, oder im Sinne von Bezug zueinander haben, freiwillig Dinge miteinander tun, erleben, sich weder völlig gegenseitig einnehmen, noch zerren, noch einen Vertrag haben, sondern in Freiheit sein.

Und so kann eine Partnerschaft auf zweierlei grundsätzlichen Wegen eingegangen werden. Entweder als bestimmter, auch möglicherweise selbstbestimmter, Einstieg in eine geregelte Beziehung, bei welcher die Regeln besprochen und dann gelebt werden können. Oder indem man sich einfach fallenlässt, lebt, genießt, abwartet, wie man und ob man tatsächlich nebeneinander, miteinander herlebt.

Die Frage ist hier: Greift man bei einer Beziehung auf einen vorhanden Vertrag, bzw. ein gesellschaftlich gemeinhin vorhandenes Regelwerk, zurück oder erbaut man ein Neues, indem man zunächst einfach lebt.
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