Eskapismus

Egal ob Landlust-Magazine oder Vampirromane – konzentrieren sich in reflektierten erwachsenen Menschen eskapistische Tendenzen? Und ist das schlimm?

Eskapismus ist ein Vorwurf. Ein Vorwurf an die Erwachsenen dieser Welt, aus ihrer Lebenswirklichkeit zu flüchten. Eine Lebenswirklichkeit, die gern trostlos, grau und niederschmetternd genannt wird. Eskapistische Tendenzen machen die Feuilletonisten unserer Zeit in Büchern/Magazinen über Landleben (die Flucht aus der Stadtrealität) oder Vampirromanen (die Flucht aus einer langweiligen, leidenschaftslosen, vegan/vegetarischen Welt) aus. Lesen wir Bücher, schauen wir Filme mit phantastischen Elementen, ist der Eskapismusvorwurf nicht mehr weit. Doch in den meisten Fällen entschuldigen wir uns sowieso schon, bevor der Vorwurf überhaupt gefallen ist und versuchen unser Verhalten in einem anderen Licht erscheinen zu lassen, es zu re-interpretieren: Wir sind alles, aber keine realitätsfernen Flüchtlinge!

Eskapismus ist hinreichend beschrieben und nimmt langsam einen Platz im allgemeinen Zeitgeist-Bashing ein, er taucht zuverlässig nach jeder Neuerscheinung im Bereich phantastische Literatur/Film in den Kritiken auf. Doch taugt er tatsächlich zum Vorwurf? Was ist schlimm an den gedanklichen Fluchten? Können wir alle nicht mehr zwischen Realität und Fiktion unterscheiden? Vernachlässigen wir unsere reellen Pflichten?

Wohl eher nicht. Was also mag die Kritiker so antreiben?

Vielleicht die Tatsache, dass es sich bei den Büchern/Filmen nicht um kanonische Literatur (also Schund) handelt? Diese ist ja bekanntlich das Ende jeder selbstkonstruierten Hochkultur. Oder ist es die Angst der Phantasielosen vor dem Unbekannten? Wir wissen es nicht und wollen es auch gar nicht wissen und flüchten lieber in aufregende Abenteuer und Liebesromanzen.
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