Generation XY

Ist es möglich, aktuelle Generationen mit einem Label zu versehen? Und ist es sinnvoll, aus der Perspektive einer aktuellen Generation zu labeln? Macht es also tatsächlich Sinn, wenn ich als Mitglied einer in einem Jahrzehnt zur Welt gekommenen Gruppe von Menschen diese Gruppe mit einem Namen versehe? 

Oder handelt es sich bei dieser Kategorisierung nicht nur um die kolossale Nabelschau einer elitären kleinen Gruppe junger Menschen, die einfach nichts Besseres zu tun haben, als tagtäglich um sich selbst zu kreisen, sich zu analysieren, zu sezieren und die Ergebnisse schließlich in feiner Social-Media-Manier allen Menschen zu präsentieren, ob die das nun wollen oder nicht? Und das alles in einem nicht enden wollenden Euphemismus, der sämtliche Macken und Unzulänglichkeiten in einem sinnzuschreibenden Habitus schönredet: „Wir sind nicht faul – aber nein, nichts liegt uns ferner – aber wir sehen den Sinn unseres Lebens einfach nicht nur in unserer Arbeit, sondern auch in Reisen, Freunden, Facebook und modischen Accessoires (die – man unterschätzt das leicht – einen großen Teil unserer Aufmerksamkeit verlangen, damit sie authentisch wirken).“ (-> siehe Artikel Alles ist Accessoire)

Kennzeichnet diese Gruppe nicht einfach nur die Tatsache, dass sie die Zeit (und das Geld) dazu haben, sich die Sinnfrage wieder und wieder zu stellen und sie auf diese überhebliche Weise beantworten zu können? Und wer, bitteschön, kann es sich denn tatsächlich erlauben, die Sinnfrage zu stellen? Die Generation zwischen X und Y? Ganze Jahrgänge? Wer glaubt das denn?

Und selbst wenn man die 68er als gern genutzten Vergleich heranzieht, die selbst ein nicht minder elitäres Grüppchen darstellten, das dennoch politisch und kulturell wegbereitend war, so kann man diese nach außen gerichtete Gruppe nicht so leicht mit dem kollektiven Egozentrismus junger Menschen vergleichen, bei deren Selbstanalyseergebnis herauskommt, dass sie irgendwie alles wollen und zwar alles super.

Die Selbstkategorisierung entspringt einer gnadenlosen Selbstüberschätzung von Menschen, die im Grunde genommen noch nichts geleistet haben in ihrem Leben und darin von ihren Eltern, Freunden und Gitarrenlehrern bestärkt wurden. 

Und dann sind die Labels noch nicht mal gut.
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