Nie wieder ein Lars von Trier Film

Das schlimmste Kinoerlebnis – ever – hatten wir mit „Dancer in the Dark“. Der Film lief schon lange nicht mehr im regulären Programm, sondern war Teil eines Festivals in unserem beschaulichen Uni-Städtchen. Wir – eine Gruppe junger Studis – wollten den Abend gemeinsam verbringen, zuerst Kino, dann mal sehen. Niemand hatte den Film gesehen, aber alle das Beste gehört – „der soll voll gut sein“ – wie das eben so läuft.

Wir also ins Kino. Im Vorfeld eine Expertin, die was zum Film berichtet. Schon zu diesem frühen Zeitpunkt hätten wir gewarnt sein müssen. Die Expertin wies uns nämlich subtil darauf hin, dass der Film zu starken negativen Emotionen führt („Ich geh davon aus, dass Sie alle den Film noch nicht kennen... Bitte? Sie haben ihn schon gesehen?... Und Sie tun sich das freiwillig noch mal an?“) Doch wir blieben sitzen und harrten bis zum Ende aus. Ich bin mir nicht sicher, ob ich jemals – im Kino oder außerhalb – so geheult habe wie damals. Sicher bin ich mir jedoch, dass ich niemals zuvor (und auch nie danach) mit so vielen unterschiedlichen Menschen gemeinsam geheult habe. Und ich meine nicht stilles vor-sich-hin-Weinen. Ich spreche von lautem Schluchzen und Schreien, untermalt mit Ausrufen des Entsetzens, von dem der ganze Saal ergriffen war.

Ich glaube, ich muss nicht extra erwähnen, dass der restliche Abend gelaufen war.

In den Monaten danach sah ich dann noch „Breaking the Waves“ und „Dogville“, letzteres war noch am ehesten zu ertragen wegen der knallhart ausgelebten Rachefantasie am Ende. Doch spätestens beim Reflektieren der eigenen Gefühle erzeugt die Freude beim Anblick eines niedergemetzelten Dorfes irgendwie einen unangenehmen Nachgeschmack.

Danach war jedenfalls klar: Unabhängig von der Diskussion um Kunst und gute/schlechte Filme wurde der Beschluss gefasst, nie mehr etwas anzusehen, in das dieser misogyne, sadistische, sexistische Regisseur auch nur entfernt involviert war. Nie wieder sollte uns so etwas den Abend versauen. Lieber Michael Hanekes gesammelte Filmographie als noch einen einzigen Streifen LvT.

Haben wir uns dran gehalten. Bis heute. Und bevor wir schwach werden, denken wir einfach an damals zurück – an den schlimmstmöglichen Kinoabend der Geschichte.
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